Stolperstein für Hermann Federmann

Am nordöstlichen Ende der Wagenerstraße, vor dem Durchgang zur Archivstraße, ist ein Stolperstein für Hermann Federmann in den Boden des Fußgängerweges eingelassen. Stolpersteine erinnern an das Schicksal von Menschen, die im Nationalsozialismus vertrieben, deportiert, in den Suizid getrieben oder ermordet wurden. Sie befinden sich an Orten, wo die Opfer ihren letzten frei gewählten Wohnort hatten. Auf dem Gelände, auf dem heute das Haus kirchlicher Dienste steht, wohnte Hermann Federmann bis 1937.

Foto von Hermann Federmann aus einem amtlichen Dokument der Ortspolizeibehörde Gadderbaum, 1940. Datenbank Yad Vashem
Foto von Hermann Federmann aus einem amtlichen Dokument der Ortspolizeibehörde Gadderbaum, 1940. Datenbank Yad Vashem

Aufwachsen in der Wagenerstraße

Hermann Federmann wurde am 18. März 1930 geboren als ältester Sohn des Schneiders Abraham Federmann (*17.02.1899) aus Radomsko/Polen und Charlotte Federmann (*04.01.1908), geborene Silberberg, aus Hannover. Am 21. Oktober 1935 kam sein Bruder Rafael zur Welt. Die Familie wohnte in der Wagenerstraße 1 in der Calenberger Neustadt, nur wenige Schritte von der Synagoge der jüdischen Gemeinde entfernt, zu der sie gehörten. Hermann Federmann war nicht gesund, er litt an Epilepsie und war geistig behindert. Bereits im Alter von zwei Jahren kam er erstmals in die Nervenklinik Langenhagen.

Die Federmanns gehörten zu denen, die sich früh darauf vorbereiteten, Deutschland zu verlassen. Doch die Pflegebedürftigkeit Hermanns und seine Versorgung dürften zunächst ein Grund zum Bleiben gewesen sein. Die Ausreise in ein fremdes Land mit einem behinderten Kind konnten die Eltern nicht riskieren. Schließlich brachten sie Hermann in der Nervenklinik Langenhagen stationär unter, in der Hoffnung, dass er dort gut aufgehoben sei. Am 28. Juli 1937 emigrierten die Eltern mit Rafael nach Argentinien. Sie mussten Hermann im Nazi-Deutschland zurücklassen, als er sieben Jahre alt war.

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Dank

Wir danken dem Haus kirchlicher Dienste für die Erlaubnis zur Wiedergabe des Textes: https://www.kirchliche-dienste.de//arbeitsfelder/judentum/stolperstein

Text Stolperstein_Hermann_Federmann (PDF)

Weitere Informationen online

Haus Kirchlicher Dienste Thema Kirche und Judentum
Gymnasium Bethel Biografien Verfolgter
Wikipedia-Beitrag Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus
Wikipedia-Beitrag Kinder-„Euthanasie“
Dr. Raimond Reiter Psychiatrie im „Dritten Reich“ in Niedersachsen
Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Gedenkstätte Opfer der Euthanasie-Morde
Städtische Erinnerungskultur Verlegte Stolpersteine in Hannover
Städtische Erinnerungskultur Karte verlegter Stolpersteine im Stadtgebiet Hannovers

Literatur Auswahl

Text: Arbeitsfeld Kirche und Judentum im Haus kirchlicher Dienste
Bildredaktion: Michael Pechel