Holocaust-Denkmal am Opernplatz

Seit dem Jahre 1994 erinnert das Mahnmal neben dem Opernhaus an die aus Hannover deportierten und ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger. Damals konnte die zivilgesellschaftliche Initiative Memorial e.V. auch gegen Widerstände diesen zentralen Ort im Herzen der Stadt durchsetzen. Die Kosten für das Denkmal wurden aus privaten Spenden finanziert.

Die ehemaligen Auschwitz-Häftlinge und lebenslangen Freunde Salomon Finkelstein (1922-2019, links) und Henry Korman (1920-2018, rechts) während der Enthüllung der Informationstafel am Holocaust-Mahnmal, 25. Oktober 2013. Sie waren bis zu ihrem Tod als Zeitzeugen aktiv. Foto Bernd Schwabe, Wikimedia Commons
Die ehemaligen Auschwitz-Häftlinge und lebenslangen Freunde Salomon Finkelstein (1922-2019, links) und Henry Korman (1920-2018, rechts) während der Enthüllung der Informationstafel am Holocaust-Mahnmal, 25. Oktober 2013. Sie waren bis zu ihrem Tod als Zeitzeugen aktiv. Foto Bernd Schwabe, Wikimedia Commons

Steigerung der Verfolgung

Antisemitismus wird nach dem Sieg der Nationalsozialisten zur radikalen Staatsdoktrin. Schon der erste „Judenboykott“ vom 1. April 1933 gegen jüdische Unternehmen und Selbständige, Entlassungen jüdischer Beamter und Angestellter aus den öffentlichen Diensten und Berufsverbote gegen AnwältInnen und ÄrztInnen soll ihnen klarmachen, dass im „neuen“ Deutschland kein Platz mehr für sie ist. Ziel der Maßnahmen ist ihre Emigration. Diese Politik wird bis zum offiziellen Verbot der Auswanderung im Oktober 1941 in Wellen radikalisiert. Tausende von Gesetzen und Verordnungen geben der Diskriminierung einen rechtlichen Schein. Gleichzeitig führen Boykotte, steuerliche Ungleichbehandlung und ruinöse Abgaben zu einer wirtschaftlichen Verelendung, die eine Emigration erschwert und für viele verhindert.

Neue Ghettos: „Judenhäuser“

Im Jahre 1939 leben noch ca. 2.300 jüdische Menschen in Hannover. Obwohl nach Kriegsbeginn die Grenzen kaum noch zu durchdringen sind, schmilzt ihre Zahl bis in das Jahr 1941 auf ca. 1.600 Jüdinnen und Juden. Am 3. September 1941 müssen sie zwangsweise in „Judenhäuser“ umziehen – Vorstufe der Deportation. Ziel der NS-Rassenpolitik ist nun nicht mehr nur die Vertreibung aus Deutschland, sondern die Vernichtung des europäischen Judentums. Viele geflohene Hannoveranerinnen und Hannoveraner werden nach der militärischen Besetzung ihrer Exilländer zwangsweise zurückgebracht – oft durch ihre ehemalige Heimat in die Vernichtungslager Osteuropas.

Die Inschrift

„Dieses Mahnmal ist zur bleibenden Erinnerung an über 6800 Jüdinnen und Juden Hannovers errichtet worden: Viele Familien lebten hier seit Generationen.

Ab 1933 wurden sie von den Nationalsozialisten gedemütigt, entrechtet, verjagt, in den Selbstmord getrieben oder getötet: Die verbliebenen jüdischen Kinder, Frauen und Männer mussten 1941 ihre Wohnungen räumen und wurden unter Mithilfe der Stadtverwaltung in „Judenhäusern“ zusammengepfercht. Von dort aus wurden sie ohne nennenswerten Widerstand der übrigen Bevölkerung aus der Bürgerschaft herausgerissen, deportiert und ermordet.

Die Transporte gingen am 28. Oktober 1938 nach Polen, am 25. Juni 1939 nach Polen, am 15. Dezember 1941 nach Riga, am 31. März 1942 nach Warschau, am 23. Juni 1942 nach Theresienstadt, am 02. März 1943 nach Auschwitz, am 16. März 1943 nach Theresienstadt, am 30. Juni 1943 nach Theresienstadt, am 11. Januar 1944 nach Theresienstadt, am 20. Februar 1945 nach Theresienstadt.

Es gab nur wenige Überlebende in Hannover: 27 wurden am 10. April 1945 im Sammellager Ahlem von Amerikanischen Soldaten befreit. Die Namen der Ermordeten, soweit heute bekannt, sind auf diesem Mahnmal verzeichnet. Errichtet 50 Jahre danach von einer hannoverschen Bürgerinitiative, unterstützt von vielen Bürgerinnen und Bürger und von der Stadt Hannover.

Hannover, 09. Oktober 1994“

Namen und Lebensdaten

Eingemeißelt sind die Namen von 1.935 jüdischen Bürgerinnen und Bürgern Hannovers, bei den Deportierten unter Angabe des Lebensalters zum Zeitpunkt der Deportation, bei anderen Opfern unter Angabe des Geburtsjahres. Ihr weiteres Schicksal wurde aufgeführt, soweit es bekannt ist. Wo der Todesort nicht genannt werden konnte, wurde „Verschollen“ vermerkt.

Ein begehbares Denkmal

Das Bauwerk ist nach einem Entwurf des italienischen Künstlers Michelangelo Pistoletto als offenes und begehbares Denkmal gestaltet; es soll zum nahen Hinsehen auf die Namen und Schicksale einladen. Dies hat auch ungewollte Folgen und Nebenwirkungen, seit der umgebende Park vor allem bei sommerlichem Wetter zum zentralen Treffpunkt der jugendlichen Partyszene wird.

Text
Holocaust-Denkmal (PDF)

Weitere Informationen online

Städtische Erinnerungskultur Broschüren und Flyer zum Download
Städtische Erinnerungskultur Informations- und Erinnerungstafeln zum Download
Wikipedia Mahnmal für die ermordeten Juden Hannovers
Gedenkstättenportal zu Orten der Erinnerung in Europa Mahnmal Hannover
Hannoversche Allgemeine Zeitung Angst um die Würde des Ortes

Literatur: Auswahl

Texte und Bildredaktion: Michael Pechel