Technische Hochschule Hannover und die Verfolgung Theodor Lessings

Ein Schloss wird Universität
Das Hauptgebäude der heutigen Leibniz Universität sieht nicht nur aus wie ein Schloss, es wurde als Welfenschloss gebaut. Nur hörte das Königsreich Hannover nach dem verlorenen Krieg gegen Preußen im Jahr 1866 auf zu existieren. Hannover wurde zur preußischen Provinzhauptstadt. Kurz darauf zog die Technische Hochschule in das leer stehende Gebäude ein.

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Universität: Verfolgung Theodor Lessings 52.382135, 9.717879 mehr lesen... (Routenplaner)

Ein Professor wird zum Hassobjekt

In den 1920er Jahren entwickelten sich auch in der Studentenschaft der Technischen Hochschule Hannover zunehmend rechtsextreme und völkische Tendenzen. Eines ihrer Hassobjekte war der Privatdozent für Philosophie, Theodor Lessing. Kein Wunder: Der gebürtige Hannoveraner war Jude, Kriegsgegner und Sozialist. Zusammen mit seiner Frau Ada Lessing hatte er nach dem Ersten Weltkrieg die Volkshochschule In Hannover-Linden aufgebaut. Mit Artikeln in republikanisch-demokratischen Zeitungen wurde er zu einem der bekanntesten politischen Publizisten der Weimarer Republik.

Kritischer Journalismus

Das Jahr 1925 brachte gleich zwei Eklats. Lessing berichtete als Journalist vom Prozess gegen den Serienmörder Fritz Haarmann und erhob scharfe Anklagen gegen die Mitschuld der Gesellschaft – Haarmann war Polizeispitzel gewesen. Kurz darauf bewarb sich der bekannte Weltkriegsgeneral und Ehrenbürger Hannovers, Paul von Hindenburg, für das Amt des Reichspräsidenten. Lessing sprach ihm die charakterliche Eignung dazu ab und schrieb die prophetischen Worte: „Leider zeigt die Geschichte, daß hinter einem Zero immer ein künftiger Nero verborgen steht“. Hindenburg wurde gewählt. Acht Jahre später ernannte der Zero (die Null) einen Nero (den Brandstifter) Adolf Hitler zum Reichskanzler.

Studentenprotest von rechts

Die reaktionäre Studentenschaft Hannovers schäumte. Studenten gründeten einen „Kampfausschuß“, forderten die Entfernung von der Universität, störten gewaltsam seine Vorlesungen. Die Hetze hatte deutlich antijüdische Züge. In einer öffentlichkeitswirksamen Aktion bestiegen 1.500 völkische Korpsstudenten am Hauptbahnhof einen Zug und drohten mit Abwanderung zur TU Braunschweig. Zahlreiche Zimmerwirtinnen sahen sich in ihrer Existenz bedroht, der Oberbürgermeister forderte die Entlassung Lessings. Nun wurde er als Dozent beurlaubt.

Mord im Exil

Theodor Lessing war das erste Todesopfer der Nazis auf tschechischem Boden. Während er mit seiner Frau Ada schon am 1. März 1933 in das tschechische Marienbad geflohen war, wurde ein Preis auf seinen Kopf ausgesetzt. Im August 1933 erschossen ihn zwei tschechische Nationalsozialisten durch das Fenster seines Arbeitsraumes und entkamen anschließend nach Deutschland.

Auch Theodor Lessings Bücher brennen

Als am 10. Mai 1933 Studenten und Lehrangehörige der Hochschule die Bücher „undeutscher“ Autoren mit einem Fackelzug vom Welfengarten zu den Maschwiesen begleiten und dort zum Scheiterhaufen aufhäufen, sind unter den verbrannten Büchern auch Werke Theodor Lessings.

Kein Namensgeber

Der Allgemeine Studentenausschuss (Asta) der Universität Hannover beantragte im November 2005 erfolglos die Umbenennung der Universität in „Theodor Lessing Universität“. Stattdessen heißt sie seit 2006 offiziell „Georg Wilhelm Leibniz Universität Hannover“.

Späte Erinnerung

Seit dem November 2015 erinnert eine Namenswand im Lichthof des Hauptgebäudes der Leibniz Universität Hannover an verfolgte Angehörige der Universität. Ihre Widmung lautet:

„Dem persönlichen und wissenschaftlichen Angedenken der Hochschulmitglieder und – angehörigen, die ab 1933 Opfer NS-bedingter Unrechtsmaßnahmen der Technischen Hochschule Hannover waren.“

Auf der Wand werden die Namen von insgesamt 63 Lehrenden und Lernenden aufgeführt, unter ihnen Theodor Lessing. Gleichzeitig wurden drei Hörsäle umbenannt. An der Rektoren- und Präsidentengalerie der Universität wurden die Porträts derjenigen Rektoren mit Hinweisen versehen, die in der Zeit von 1933 bis 1945 an der Hochschule gewirkt und Unrecht mitgetragen hatten.

In den Jahren zuvor hatte eine auf Beschluss des Senates eingerichtete Arbeitsgruppe die Verleihung und den Entzug von Titeln während der NS-Zeit aufgearbeitet.

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