Polizeipräsidium Hardenbergstraße

Ort der Verfolgung
In dem 1903 eingeweihten Gebäude des Polizeipräsidiums war zu Beginn der NS-Herrschaft neben der Kriminalpolizei auch die Geheime Staatspolizei Gestapo Hannover untergebracht. In das angegliederte Polizeigefängnis wurden auch Gegner des NS-Regimes sowie rassisch Verfolgte eingesperrt. Dieser Zellenblock ist nahezu unverändert erhalten.

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Neugründung Gestapo

Wenige Tage nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten Ende Januar 1933 musste der sozialdemokratische Polizeipräsident Hannovers sein Büro für den SA-Führer Victor Lutze räumen. Seit Ende April arbeitete in dem großen Gebäude eine Dienststelle der neu errichteten Berliner Geheimen Staatspolizei. Sie war als Leitstelle zuständig für die Regierungsbezirke Hannover und Hildesheim, also ein weites Gebiet zwischen Göttingen und Nienburg an der Weser.

Während der Festigung der NS-Diktatur richteten sich die Gewaltmaßnahmen der Gestapo in erster Linie gegen den politischen Gegner: Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter. Am 5. November 1933 wird Kurt Willkomm verhaftet, ehemaliges Mitglied der KPD-Bezirksleitung Hannover. Elf Tage nach Haftbeginn stirbt der Häftling nach Misshandlungen durch Gestapo-Beamte.

Die Gestapo konnte selbstständig verhaften und verhören, Gefangene zur „Schutzhaft“ in Konzentrationslager einweisen, ohne dass es dagegen Rechtsmittel gab. Sie unterhielt eigene Lager („Arbeitserziehungslager“), in denen auch Todesurteile vollstreckt wurden.

Ausweitung der Aufgaben

Die Maßnahmen der Gestapo weiteten sich aus auf Gruppen, die aus der „Volksgemeinschaft“ ausgeschlossen werden sollten – in erster Linie auf die Verfolgung der deutschen Juden. Nach der Pogromnacht des Jahres 1938 überstellte sie deutschlandweit 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager. Während des Krieges wurde die Hauptaufgabe der Gestapo die Überwachung ausländischer Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen. Sie waren zu Zehntausenden nach Hannover verschleppt worden.

Seit dem Jahre 1936 arbeitete die Gestapo-Leitstelle in einem eigenen Gebäude in der hannoverschen Südstadt, doch das Gefängnis des Polizeipräsidiums nutzte sie weiter: Ein Anhänger der verbotenen Zeugen Jehova, Adam Sewenig, wird im Dezember 1936 in das Polizeigefängnis festgenommen und während der Haft schwer gefoltert. Er überlebt, verliert aber seinen Verstand und wird später Opfer der NS-Krankenmorde.

Wegen ständiger Überfüllung dieses Gefängnisses richtete die Gestapo im Jahre 1944 zusätzlich ein eigenes „Polizei-Ersatzgefängnis“ auf dem Gelände der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem ein.

Verschmelzung von Kripo, Gestapo, SS

Politische Polizei (Gestapo) und Kriminalpolizei (Kripo) verschmolzen zunehmend. Gestapo und Kripo wurden zur Sicherheitspolizei (Sipo) zusammengefasst. 1939 wurde die Sicherheitspolizei mit dem Sicherheitsdienst (SD) der parteieigenen SS zusammengelegt. Als „Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei“ herrschte Heinrich Himmler über diesen Apparat.

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 waren Gestapo und Kripo gleichermaßen am Rassen- und Weltanschauungskrieg beteiligt. Ihre Beamten waren in Polizeibataillonen und als Einsatzgruppen im Vernichtungskrieg gegen die jüdische Zivilbevölkerung aktiv. Das Polizeibataillon 111 mit dem Heimatstandort Hannover nahm maßgeblich an Kriegsverbrechen teil.

„Zigeuner-Zentrale“

Die Zuständigkeit für die Überwachung der Sinti war schon in Kaiserreich und Weimarer Republik bei der Kriminalpolizei angesiedelt. Der NS-Staat änderte daran nichts. Die Deportationen in die Vernichtungslager Osteuropas wurden auch in Hannover nicht von der Gestapo, sondern der Kriminalpolizei organisiert. Der Präsident des Deutschen Fußballbundes DFB (1925-1940) und ab Herbst 1939 Leiter der Kriminalpolizeileitstelle Hannover, Felix Linnemann, war regional für die Erfassung der Sinti und Roma zuständig.

Im Juli 1942 wird der Boxer Johann „Rukeli“ Trollmann in seinem Elternhaus im Tiefental (heute Johann-Trollmann-Weg) verhaftet. Als seine Brüder ihn im Polizeipräsidium wiedersehen, erkennen sie das Gesicht des Misshandelten kaum wieder. Ende Oktober 1942 wird der Sinto in das KZ Neuengamme überstellt und später im Außenlager Wittenberge ermordet.

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