Lange Laube: „Straße der SA“ mit benachbarter Gauleitung

Politische Umbenennungen
Viele Straßen Hannovers wurden nach 1933 nach prominenten Persönlichkeiten des Nationalsozialismus oder zu Ehren von  Parteiorganisationen umbenannt. Die Bahnhofstraße wurde zur „Adolf-Hitler-Straße“, der Platz vor der Stadthalle zum „Hermann-Göring-Platz“ – und die Lange Laube zur „Straße der SA“.

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Lange Laube: „Straße der SA“ und Gauleitung 52.376503, 9.726763  mehr lesen... (Routenplaner)

Schlägertruppe der „Kampfzeit“

Die Sturmabteilung SA war die paramilitärische Kampforganisation der NSDAP während der Weimarer Republik und spielte als Schlägertruppe auf der Straße und beim „Saalschutz“ eine entscheidende Rolle beim Aufstieg der Nationalsozialisten. Nach deren Sieg geriet sie in Konkurrenz zur Wehrmacht. Ihre Führungsspitze wurde deshalb im Juni 1934 mit Hilfe der SS eliminiert – um einem angeblichen Staatsstreich  zuvor zu kommen („Röhm-Putsch“).

Gauleitung: Zentrale der NS-Partei

Ungefähr am Ort des heutigen Allianz-Hochhauses, in der heute nicht mehr bestehenden Dincklagestraße, befand sich die Zentrale der NSDAP-Gauleitung Süd-Hannover- Braunschweig. Gauleiter waren Bernhard Rust (1928-1940) und Hartmann Lauterbacher (ab 1940). Lauterbacher war die treibende Person bei der Ghettoisierung der jüdischen Bevölkerung in „Judenhäusern“. Diese „Aktion Lauterbacher“ war die Vorstufe zu der im Dezember 1941 beginnenden Deportation der Juden in die Vernichtungslager.

Gauleiter Lauterbacher

Während des Krieges tat sich Lauterbacher als fanatischer Nationalsozialist hervor. In den letzten Jahren und Monaten des Regimes wurde er wie alle Gauleiter mit zusätzlichen Funktionen ausgestattet, so wurden sie ab Oktober 1944 auch Verantwortliche für die Aufstellung des Volkssturms. Im Gegensatz zur Bevölkerung verbrachte Lauterbacher die Zeit vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen bombensicher im Gaubefehlsstand, einem Bunker am hannoverschen Schützenplatz. Von hier verbreitete er noch eine Woche vor Kriegsende Durchhalteparolen: Unter der Überschrift „Lieber tot als Sklav“ hieß es u.a.: „Wer dabei nicht mit uns ist (…) wer weiße Fahnen hißt und sich kampflos ergibt, ist des Todes.“

Flucht nach Durchhalteparolen

Wie die meisten Gauleiter zog er selber die Flucht vor. Am 8. April 1945 ließ er sein Auto mit Millionen Zigaretten beladen und setzte sich in den Harz ab – diese seien für die Versorgung der Truppen in der „Harzfestung“ bestimmt gewesen. Lauterbacher stand zwar nach dem Krieg mehrmals vor Gericht, wurde aber niemals verurteilt.

Neue Karriere nach dem Krieg

Nach Darstellung des „Spiegel“ arbeitete Lauterbacher in den 1950er Jahren als Kontaktmann für den Bundesnachrichtendienst BND. Zwischen 1977 und 1981 war der ehemalige Gauleiter und stellvertretende Reichsjugendführer als offizieller Berater des Sultans von Oman in Jugendfragen beschäftigt.

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