„Judenhaus“ Knochenhauerstraße

zhe_14 Erzwungene Umzüge
Für mehr als 1200 jüdische Hannoveraner – Frauen, Männer und Kinder – brachte der 3. September 1941 eine dramatische Verschlechterung ihrer Lebenssituation. Innerhalb weniger Stunden mussten sie ihre Wohnungen verlassen und in ein sogenanntes „Judenhaus“ umziehen. Mitnehmen durften sie ein Bett, etwas Wäsche, einige Kleidungsstücke und Geschirr. Was sie an Eigentum zurückließen, wurde von der Stadtverwaltung, später den Finanzämtern beschlagnahmt.

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,Judenhaus\' Knochenhauerstraße 52.373520, 9.733565  mehr lesen... (Routenplaner)

Zusammengedrängt leben

Ausgewählt wurden 16 Standorte: Häuser in jüdischem Privatbesitz, in denen jetzt schon jüdische Mieter zusammengedrängt lebten, sowie jüdische Gemeindehäuser, Schulen und Wohlfahrtseinrichtungen. Denn seit dem Jahre 1939 war der Mieterschutz für Juden aufgehoben. Viele Familien und Alleinstehende wurden gezwungen, als Untermieter auf kleinsten Raum bei jüdischen Vermietern unterzukommen – Vorform der Ghettoisierung.

Ältestes „Judenhaus“

Das um 1620 entstandene und nur 6 Meter breite Fachwerkgebäude in der Altstadt war das älteste und wahrscheinlich auch kleinste der hannoverschen „Judenhäuser“. Ein Geschoß hatte nur ca. 70 Quadratmeter. Das Haus Knochenhauerstr. 61 war – vom Marstall aus gesehen – das fünfte Haus auf der linken Straßenseite ungefähr gegenüber der Einmündung „Goldener Winkel“. Die Hausnummern verlaufen heute vollkommen anders.

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Hannovers Max Schleisner inspizierte einige der „Judenhäuser“, darunter auch das Haus Knochenhauerstraße. Alte Bausubstanz des Fachwerkhauses und Überbelegung bildeten hier zusammen unerträgliche Wohnverhältnisse. Er schrieb dazu am 6. September 1941 in einem Bericht an die Berliner Reichsvereinigung der Juden in Deutschland RVJD:

„Wanzen, Ratten. Toiletten vom hygienischen Standpunkt aus unmöglich. In einem nur 15qm großen Raum 4 Personen und ein Kind. Unter der Belegschaft ein schwer gelähmter Mann.“

Deportationen in Ghettos und KZ

Ob noch in andere Stockwerke als die Parterre-Wohnung zu Anfang September 1941 Juden eingewiesen wurden, ist unbekannt. Insgesamt 53 jüdische Menschen wurden von hier deportiert: 27 im Dezember 1941 nach Riga und 26 im Juli 1942 nach Theresienstadt. Danach hatte es als „Judenhaus“ ausgedient. Das Gebäude wurde während der Luftangriffe des Oktober 1943 zerstört.

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