Erinnerung an einen ermordeten Boxer:
Johann-Trollmann-Weg

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Kindheit in der Altstadt
Der Sinto Johann Trollmann – genannt „Rukeli“ – wurde am 27. Dezember 1907 in Wilsche bei Gifhorn geboren. Er wuchs zusammen mit acht Geschwistern unter ärmlichen Bedingungen in der engen Gasse Tiefental inmitten der Altstadt Hannovers auf.

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Boxer Johann \'Rukeli\' Trollmann 52.373127, 9.731387 mehr lesen... (Routenplaner)

Erfolg als Boxer

Schon als Achtjähriger beginnt Rukeli mit dem Boxtraining. Der Anfang liegt in der Turnhalle der Bürgerschule Schaufelder Straße, mitten in Hannovers Nordstadt. Er kämpft sich im BC Heros Hannover nach oben, tritt dann dem Arbeitersportverein BC Sparta Hannover-Linden bei. 1929 zieht er nach Berlin und beginnt eine so kurze wie erfolgreiche Profi-Karriere. Mit dem ihm eigenen tanzenden Stil wird er zum Publikumsliebling.

Karriere-Ende durch die Nazis

1933 wurde die Karriere des 25-Jährigen durch den Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft jäh beendet: Den Kampf um den Titel des Deutschen Meisters im Halbschwergewicht in Berlin hatte Rukeli zwar klar nach Punkten gewonnen, der Titel wurde ihm jedoch wenige Tage später mit einer fadenscheinigen Begründung aberkannt.

Kein Boxen nach „deutscher Art“

Dahinter standen rassische Motive: Ein „Zigeuner“ durfte keinem „Arier“ überlegen sein. In dem darauf folgenden Kampf gegen Gustav Eder inszenierte er eine Provokation gegen die NS-Rassenideologie, als er den Ring mit hell gefärbten Haaren und weiß gepudertem Gesicht bestieg. Da er nun auch nach der geforderten „deutschen Art“ mit den Füßen fest auf dem Boden stehend boxte, war er seinem Gegner unterlegen und verlor. Seine Karriere war damit abrupt beendet – er verlor seine Boxlizenz und Lebensgrundlage.

Tod im KZ

Als 31-jähriger wurde Johann Trollmann 1939 zur Wehrmacht eingezogen. Im Oktober 1942 wurde er als „wehrunwürdiger Zigeuner“ in das Konzentrationslager Neuengamme deportiert, wo er schwerste Zwangsarbeit leisten musste. Von den Wachmannschaften wurde er als ehemaliger erfolgreicher Boxer in Schaukämpfen mit SS-Männern gezielt gedemütigt. Johann Trollmann wurde im Alter von 36 Jahren im Außenlager Wittenberge des KZ Neuengamme erschlagen.

Späte Erinnerung und Ehrung

Das gesamte Kreuzkirchenviertel wurde im Bombenkrieg vernichtet. Die ehemalige Gasse Tiefenthal wurde zu Ehren des Boxers im Jahre 2004 in Johann-Trollmann-Weg umbenannt. Ein Jahr zuvor war ihm der Titel des deutschen Meisters im Halbschwergewicht nachträglich wieder zuerkannt worden – und der Deutsche Berufsboxverband übergab symbolisch den Meistergürtel an seine Verwandten Louis und Manuel Trollmann.

Im Jahre 2008 wurden vor ihrem früheren Wohnhaus Stolpersteine für Johann und seinen Bruder Heinrich Trollmann gelegt.

Weitere Informationen

Internetseite von Manuel Trollmann: www.johann-trollmann.de

Wikipedia-Beitrag Johann Wilhelm Trollmann

Internetseite Projekt Temporäres Denkmal

Städtische Erinnerungskultur Verlegte Stolpersteine in Hannover

Städtische Erinnerungskultur Karte verlegter Stolpersteine im Stadtgebiet Hannovers

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