Jüdisches Gemeindehaus Lützowstraße 3

Zentrum jüdischen Lebens
Anstelle eines banalen Parkhauses stand hier mit dem Gemeindehaus ein Zentrum jüdischen Lebens in Hannover. Edwin Oppler, der kurz zuvor die Neue Synagoge gebaut hatte, erhielt im Jahre 1875 den Auftrag zum Entwurf.

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Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus 52.375387, 9.730039  mehr lesen... (Routenplaner)

Gemeindeleben

Nach der gesetzlichen Gleichstellung hatte sich die jüdische Gemeinde in Hannover rasch vergrößert. Der Bau eines neuen Gemeindehauses folgte dem Anstieg der Zahl ihrer eingetragenen Mitglieder (1844: 75, 1871: 326, 1914: 1081). In das aus rotem Backstein errichtete, dreistöckige Gebäude zogen die Sekretariate der Gemeindeverwaltung mit einen zusätzlichen Sitzungssaal sowie Friedhofsverwaltung, Wohlfahrtsbüro und Gemeindebibliothek. Hinzu kamen Schulräume für das Erteilen des Religionsunterrichtes. In einer Dienstwohnung im Dachgeschoss lebte die Familie des Gemeindesekretärs.

Im Jahre 1925 wurde ein zweites Gemeindehaus in der Ohestraße nahe dem Waterlooplatz bezogen. Sein Seitenflügel nahm einen jüdischen Kindergarten und einen Hort zur Betreuung von Schulkindern auf. Im Vorderhaus befanden sich Einrichtungen der Wohlfahrtspflege wie Armenküche, Kleiderkammer und Krankenschwesternstation.

Gründung einer Volksschule

Im Mai 1935 nahm eine jüdische Volksschule mit vier Lehrern und 84 Schülern die Arbeit in dem Gebäude Lützowstraße 3 auf. Kinder sollten in einem Umfeld lernen können, das nicht vom zunehmenden Antisemitismus belastet war. Wenige Jahre später war sie neben der Volksschule in der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem die einzige Schule Hannovers, in denen noch jüdische Kinder unterrichtet werden durften: Juden wurde deutschlandweit nach der Pogromnacht des 9./10. November 1938 der Besuch staatlicher Schulen verboten, weil es „für deutsche Schüler unerträglich ist, mit Juden in einem Klassenraum zu sitzen“ – so der Reichsminister für Erziehung. Weiterführende Schulen waren nun jüdischen Kindern versperrt. Der Besuch berufsbildender Schulen war nur zugelassen, wenn sie – wie in Ahlem – der Auswanderung dienten.

Viele Gemeindemitglieder zogen in den Jahren 1939 und 1940 in das Gebäude Lützowstraße ein. Sie waren von ihren „arischen“ Hausbesitzern entmietet worden. Im April 1940 wurde die Volksschule von hier in das größere Gemeindezentrum Ohestraße verlegt. Dort wurde der Unterricht bis Anfang September 1941 weitergeführt. Für die Zeit danach hatte die Stadtverwaltung eine andere Verwendung für die Gemeindehäuser und 13 weitere jüdische Liegenschaften.

"Judenhaus"

Das Gemeindehaus in der Lützowstraße wurde eines der 15 „Judenhäuser“ Hannovers, in denen die jüdische Wohnbevölkerung vor der Deportation zusammengezwungen wurde. Anfang September 1941 zogen 125 Menschen in die 11 Räume des Hauses ein: Familien, Ehepaare, Alleinstehende. Je drei Personen mussten sich ein Bett, einen Schrank, einen kleinen Tisch und drei Stühle teilen. Fast alle von ihnen verließen Hannover mit der ersten großen Deportation am 15. Dezember 1941 in das Ghetto Riga. Die wenigen Zurückbleibenden wurden in andere „Judenhäuser“ verlegt.

Das Ende

Mit dem Auszug der letzten Bewohner im Februar 1942 stand das Gebäude leer. Der Gemeindesekretär Samuel Herskowits musste mitsamt seiner Familie in das „Judenhaus“ Ohestraße und später auf das Gelände der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem umziehen. Im Juni 1943 wurden sie einem Transport in das Ghetto Theresienstadt zugeteilt.

Ob das Gebäude nach seiner Räumung neue Bewohner hatte, ist unbekannt. Es wurde während des Luftabgriffs vom 8. auf den 9. Oktober 1943 vollkommen zerstört.

Weitere Informationen

Wikipedia Beitrag Edwin Oppler

Jugend 1918-1945: Jüdische Jugend, Schule

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