Ehemaliges Gerichtsgefängnis Hannover

Abgerissen nach dem Krieg
Nur ein Mahnmal neben dem Kulturzentrum Pavillon erinnert an das ehemalige Gerichtsgefängnis Hannover und seine Rolle im Nationalsozialismus. Hier waren zwischen 1933 und 1945 auch zahlreiche politische Gegner des Regimes und Homosexuelle, Sinti, Zeugen Jehovas sowie während des Krieges ausländische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen inhaftiert.
[vc_separator type=“large“ dh=“2″ color=“primary“ align=“center“ icon=““ margin_top=“43″ margin_bottom=“5″]

Karte wird geladen - bitte warten...

Ehemaliges Gerichtsgefängnis Hannover 52.379830, 9.744422 mehr lesen... (Routenplaner)

Gerichtsgefängnis

Der große Gebäudekomplex hinter dem Hauptbahnhof war in den Jahren 1865–1875 erbaut worden. Er hatte den Zweiten Weltkrieg beschädigt überstanden und musste im Jahre 1964 dem Bau der Hamburger Allee weichen. Von den Justizgebäuden in seiner unmittelbaren Nachbarschaft steht heute nur noch das Amtsgericht am Volgersweg.

In dem Gefängnis wurden ursprünglich auch Hinrichtungen mit dem Fallbeil durchgeführt. Im Jahre 1925 wurde nach einem Prozess der Serienmörder Fritz Haarmann im Gefängnishof enthauptet. Da der Hof von den umliegenden Häusern, darunter einem Gymnasium, einzusehen war, wurde die Guillotine 1937 in einem Gebäude des Strafgefängnisses Wolfenbüttel aufgestellt.

Häftlinge: Auguste Breitzke

In den Jahren 1936 und 1937 war das Gefängnis mit über eintausend Gefangenen überfüllt. In dieser Zeit wurde in Hannover eine der bedeutendsten Widerstandsgruppen Deutschlands zerschlagen. Die „Sozialistische Front“ hatte ihre Basis in den Arbeiterstadtteilen Linden, Limmer und Ricklingen. Sie bestand aus Sozialdemokraten, die im Gegensatz zur abwartenden Parteilinie schon früh den illegalen Weg forderten – unter ihnen die junge Lindener Arbeiterin Auguste (Gustel) Breitzke, die für Druck und Verbreitung der Widerstandsschrift „Sozialistische Blätter“ sorgte.

Im Juli 1936 schleuste die Gestapo einen Spitzel in die Organisation ein. Gustchen Breitzke wurde enttarnt und kam im Polizeigefängnis Hardenbergstraße und dann im Gerichtsgefängnis an der Leonhardtstraße in Einzelhaft, bevor sie mit vielen ihrer Genossen und Genossinnen vom Berliner Volksgerichtshof zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Sie überlebte Verfolgung und Krieg.

Häftlinge: Otto Brenner

Ein weiterer politischer Häftling im Gerichtsgefängnis war der Hannoveraner Arbeiter Otto Brenner. Er hatte sich seit seiner Jugend in sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Organisationen engagiert. Seit 1931 baute er in Hannover eine Ortsgruppe der „Sozialistischen Arbeiterpartei“ SAP auf, die sich angesichts der Spaltung der Arbeiterbewegung für eine Einheitsfront gegen den erstarkenden Nationalsozialismus einsetzte. Die Gruppe ging schon im März 1933 in den Widerstandskampf und verbreitete illegale Flugschriften.

Otto Brenner wurde im August 1933 als Kurier verhaftet und später in das Gerichtsgefängnis überführt. Dort war er bis zu seiner Verurteilung im Juni 1935 inhaftiert. Er überstand Nationalsozialismus und Krieg und wurde zu einem der wichtigsten SPD-Politiker und Gewerkschaftsvorsitzenden der Bundesrepublik.

Häftlinge: Ernst Thälmann

Der bekannteste kommunistische Häftling des Gerichtsgefängnisses war Ernst Thälmann, der letzte Parteivorsitzende der KPD vor ihrer Zerschlagung durch die Nationalsozialisten. Er war bereits während der ersten Razzien gegen Kommunisten Anfang März 1933 festgenommen worden und wurde 1937 von Berlin in das Gerichtsgefängnis Hannover überführt. Er saß dort in strenger Isolationshaft – sämtliche Zellen neben, über und unter ihm wurden von Häftlingen freigemacht, um Kontakte zu verhindern. Im Jahre 1943 ist Thälmann in das Zuchthaus Bautzen verlegt und ein Jahr später im KZ Buchenwald erschossen worden.

zurueck