Der Maschsee

zhe_01
Beliebtester Ort Hannovers
Jogger, Wassersportler, Inline-Scater: Der Maschsee ist wahrscheinlich das beliebteste Naherholungsgebiet der Hannoveraner. Wenigen ist bewusst, dass sein Bau ein Vorzeigeprojekt der Nazis war.

Karte wird geladen - bitte warten...

Der Maschsee 52.362524, 9.737610 mehr lesen... (Routenplaner)

Pläne gegen Überschwemmungen

Doch die Pläne für den See sind älter. Über Jahrhunderte bedrohten regelmäßig Hochwasser der Flüsse Leine und Ihme die niedrig gelegenen Teile Hannovers. Seit dem 19. Jahrhundert wurde überlegt, Flussregulierung und öffentliche Erholung miteinander zu verbinden. In der Weltwirtschaftkrise beschloss der Magistrat im Herbst 1932 den Bau des Sees in der jetzigen Größe als Arbeitsbeschaffungsprogramm – mit den Stimmen der  Sozialdemokraten.

Arbeitsbeschaffungsprogramm der Nazis

Aber als im März 1934 mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen wurde, waren nur noch die Nationalsozialisten an der Macht. Mit markigen Worten riefen sie zur „Arbeitsschlacht“ auf. Das hieß: Rund 1.600 Männer mussten zu niedrigsten Löhnen den Seegrund ausschaufeln sowie Leine und Ihme eindeichen. An technischem Gerät wurden nur Loren zum Erdtransport eingesetzt.

Propagandaerfolg

Die Einweihung des Sees zwei Jahre später, im Mai 1936, wurde zu einem ungeheuren Propagandaerfolg der Nazis. Sie erschienen als Macher, die energisch in die Hand nahmen, wo andere nur geredet hatten. Rund 200.000 neugierige Hannoveraner nahmen den See in Besitz und wurden Zeugen einer geschickten Inszenierung mit Prominenz aus Partei und Stadtverwaltung, unter Beteiligung von 6.000 Sportlern und mit der Jungfernfahrt der Maschseeflotte. Nur vier Jahre später verschwand die Wasseroberfläche unter Flößen aus Weidengeflecht. Sie sollte feindlichen Bomberflotten keine Orientierungsmarke bieten.

Gigantische Pläne

Wie für alle Gau-Hauptstädte gab es auch für Hannover radikale Umbaupläne der Nationalsozialisten, die von Hitler persönlich abgesegnet waren. Der Maschsee sollte von drei Foren umgeben werden. Für das „Forum der Partei“ am Westufer des Sees waren monumentale Bauten für die Gauleitung, ein Aufmarschgelände und eine „Halle der Volksgemeinschaft“ vorgesehen. Der Krieg stoppte ihren Bau. Nur Reste einer Tribüne und die Trümmer des Gauleiterbunkers liegen unter den Besucherrängen der HDI-Arena begraben.

NS-Kunst?

Für Diskussionen sorgten in den letzten Jahren die Skulpturen aus der NS-Zeit am Ost- und Nordufer. Ist die nackte Figur des „Fackelträger“ am Nordufer nach den zeitlosen Idealen der griechischen Kunst gestaltet, oder hebt er den rechten Arm zum Hitlergruß? Folgt das nackte Paar am Ostufer dem Bild des von den Nazis propagierten „arischen“ Menschen? Dann hätte sich ihre Ideologie hier unfreiwillig entlarvt: Dem Bildhauer Georg Kolbe saß für diese Skulptur das jüdische Geschwisterpaar Hans und Renate Loewy als Modell.

Weitere Informationen

Städtische Erinnerungskultur Flyer und Informationstafeln zum Download

Städtische Erinnerungskultur Audiospaziergang am Maschsee

NDR.de Maschsee: Vom Nazi-Projekt zur Freizeitoase

Informationstafel Bücherverbrennung Rede zur Einweihung

zurueck