An der Börse: Stolperstein für Willy Scheinhardt

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Ein Opfer von politischem Mord
Ein Stolperstein erinnert am ehemaligen Haus des deutschen Fabrikarbeiterverbandes (FAV) an Willy Scheinhardt. Im Jahre 1892 in Sachsen geboren, wurde der ungelernte Hilfsarbeiter schon vor dem Ersten Weltkrieg in der Gewerkschaft und SPD aktiv. Die Gestapo ermordete ihn.

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Zentrale des deutschen Fabrikarbeiterverbandes

Von 1925 bis 1933 ist Willy Scheinhardt als Gauleiter des Fabrikarbeiterverbandes in Hannover tätig. Der Verband war 1890 mit einem Festakt im hannoveraner Ballhof als Interessenvertretung von ungelernten Arbeitern und Arbeiterinnen neuer Industriezweige wie der chemischen, gummi- und papiererzeugenden Industrie gegründet worden. Damit ist diese Organisation der Vorläufer der heutigen Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE).

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg waren im Verband mehr als 602.000 Mitglieder organisiert; er stellte damit die viertgrößte Gewerkschaft im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund dar.

Gewaltsame Erstürmung

Das Gebäude wurde um 1900 für eine Bank erbaut und im Februar 1930 von der Gewerkschaft als Verwaltungszentrale erworben. Willy Scheinhardt zog mit Ehefrau und Tochter ein. Außer ihnen wohnte der Reichstagsabgeordnete Richard Partzsch und ein Hausmeister hier. Am 1. April 1933 wurde das Haus von Nationalsozialisten gestürmt – kurz nach der Besetzung des Gewerkschaftshauses an der Goseriede.

Mord in Gestapo-Haft

Als die Gestapo die Hannoveraner Widerstandsgruppe „Sozialistische Front“ zerschlug, wurde auch Willy Scheinhardt verhaftet und unter dem Vorwurf des Hochverrats in das Gestapo-Gefängnis Hildesheim gebracht. Hier wurde Willy Scheinhardt am 6. Oktober 1936 zu Tode geprügelt, weil er „vermutlich kein vollständiges Geständnis abgelegt hat“ – so im Nachhinein der Generalstaatsanwalt. Sein Grab liegt auf dem Friedhof Hannover-Ricklingen.

Das Stolperstein-Projekt

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Diese Erkenntnis steht hinter der Idee der Stolpersteine, die der Kölner Künstler Gunter Demnig auf Bürgersteigen vor den letzten frei gewählten Wohnungen von Opfern des NS-Regimes verlegt: Kleine Messingplatten mit den Namen, Lebensdaten, Deportationszielen und Todesorten. Mit dem Stolperstein-Projekt werden Biografien, die in der Zeit des Nazi-Terrors ausgelöscht wurden, in den Alltag unserer Städte zurück gebracht – genau dahin, wo die Menschen einmal gelebt haben. In Hannover liegen ca. 300 Stolpersteine an zahlreichen Stellen im Stadtgebiet. Sie erinnern an Juden und Sinti, politisch Verfolgte, Opfer der NS-„Euthanasie“, wegen „Wehrkraftversetzung“ oder Desertion zum Tode verurteilte Soldaten.

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