Am Marstall 14:
Stolpersteine für die jüdische Familie Bloch

Osteuropäische Wurzeln
Die Familie Bloch war im Jahre 1905 aus dem heutigen Polen nach Hannover gezogen und gehörte damit zu den ca. 20 Prozent Juden mit osteuropäischen Wurzeln unter der jüdischen Bevölkerung Hannovers. Zwischen 1903 und 1906 litt die jüdische Bevölkerung Russisch-Polens unter verheerenden Pogromen.

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Eine Bäckerfamilie

Das Ehepaar Bloch baute sich eine neue Existenz mit einem Bäckereigeschäft in der damaligen Schillerstraße 41 (heute: Am Marstall 14) auf. Eines der Kinder emigrierte bereits 1934 nach Palästina. Der Vater Samuel Bloch verstarb 1934. Seine Witwe Chana wurde 1941 mit dem ersten Deportationszug von Hannover in das Ghetto Riga gebracht. Sie starb im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig.

Vergebliche Flucht nach Belgien

Den Töchtern Rosa sowie Franya (Fraidel) mit Ehemann und den zwei Kindern Martin und Myriam gelang nach dem „Novemberpogrom“ 1938 die Flucht in das scheinbar sichere Belgien. 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht das Land. Der Sohn Martin wurde zuvor mit Hilfe einer zionistischen Organisation mit dem letzten Kindertransport nach Palästina gebracht und lebte dort mit anderen jüdischen Waisen aus Europa in einem Kinderdorf. Er blieb der einzige Überlebende seiner Familie.

Tod in Auschwitz

Martins Eltern, die dreizehnjährige Schwester sowie seine Tante Rosa warteten vergeblich auf Ausreisepapiere nach Amerika. Alle wurden am 21.09.1942 von Antwerpen nach Auschwitz deportiert und sofort nach ihrer Ankunft ermordet.

Das Stolperstein-Projekt

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Diese Erkenntnis steht hinter der Idee der Stolpersteine, die der Kölner Künstler Gunter Demnig auf Bürgersteigen vor den letzten frei gewählten Wohnungen von Opfern des NS-Regimes verlegt: Kleine Messingplatten mit den Namen, Lebensdaten, Deportationszielen und Todesorten. Mit dem Stolperstein-Projekt werden Biografien, die in der Zeit des Nazi-Terrors ausgelöscht wurden, in den Alltag unserer Städte zurück gebracht – genau dahin, wo die Menschen einmal gelebt haben. In Hannover liegen ca. 300 Stolpersteine an zahlreichen Stellen im Stadtgebiet. Sie erinnern an Juden und Sinti, politisch Verfolgte, Opfer der NS-„Euthanasie“, wegen „Wehrkraftversetzung“ oder Desertion zum Tode verurteilte Soldaten.

Weitere Informationen

Zeit Online Ostjuden in Deutschland

Städtische Erinnerungskultur Verlegte Stolpersteine in Hannover

Städtische Erinnerungskultur Karte verlegter Stolpersteine im Stadtgebiet Hannovers

Projekt Stolpersteine Internetseite

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