Aegidienkirche: Ein Mahnmal gegen den Krieg

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Kirche des Mittelalters
Die Aegidienkirche wurde Mitte des 14. Jahrhunderts als gotische Hallenkirche errichtet. Sie ist neben Marktkirche und Kreuzkirche eine der drei Kirchen der Hannoverschen Altstadt.

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Aegidienkirche: Ein Mahnmal gegen den Krieg 52.369403, 9.739273  mehr lesen... (Routenplaner)

Zerstörung in einer Bombennacht

In der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1943 ist die Kirche fast vollständig durch Bomben zerstört worden. Ihre Außenmauern und der Turmstumpf sind zur Erinnerung der Opfer von Krieg und Gewalt als Ruine erhalten. Im Turmeingang hängt als Geschenk der japanischen Partnerstadt Hannovers die 1985 von Hiroshima gestiftete Friedensglocke. Sie wird am 6. August jeden Jahres beim Gedenkgottesdienst für die Opfer des Atombombenabwurfs auf Hiroshima angeschlagen.

Luftkrieg

Die technische Entwicklung der Luftwaffe führte im Zweiten Weltkrieg zu Zerstörungen weit hinter den Fronten. In der Taktik des modernen Luftkriegs wurde der Kampf auch in der Heimat des Gegners entschieden: Angriffe auf die Wohnbezirke sollten zur Zermürbung der Bevölkerung führen, die Zerstörung von Industrieanlagen und der Infrastruktur sollte den Nachschub an die Front unterbrechen. Zu Beginn des Krieges hatte die deutsche Luftwaffe zahlreiche totale Schläge gegen Städte geführt: Warschau, Rotterdam, London, Coventry… Aber die stärkeren industriellen Ressourcen der Alliierten führten endgültig 1942 zu ihrer Luftüberlegenheit über Deutschland.

Vergebliche Hoffnung

Die Hoffnung mancher Hannoveraner, die Stadt würde wegen der früheren Personalunion mit England vor Bomben verschont bleiben, sollte sich nicht erfüllen. Denn als Industriestandort lag die Stadt im Deutschen Reich an fünfter Stelle, hier waren zahlreiche kriegswichtige Betriebe angesiedelt. So wurde gleich der erste Großangriff auf eine deutsche Großstadt gegen Hannover geführt: Im Februar 1941 trafen Bomben aus 200 Flugzeugen den Hauptbahnhof und Teile der Oststadt.

Weitgehende Zerstörung Hannovers

Und die Vernichtung sollte sich steigern. In der Nacht des 8./9. Oktober 1943 brannte die Innenstadt fast vollständig nieder. Das Ergebnis bei Kriegsende: 88 Luftangriffe hatten rund 6800 Menschen getötet. Die Zerstörung des Zentrums lag bei 90 Prozent. Die Hälfte der Wohnungen Hannovers war unbewohnbar. Die Einwohnerzahl halbierte sich vor allem durch Evakuierungen bis zum Kriegsende im Mai 1945 auf 217.000 Menschen. Zuvor hatte die nationalsozialistische Stadtverwaltung überlegt, die Stadt nach dem „Endsieg“ am Deister neu und bombensicher anzulegen…

Wenig Wirkung

Aus heutiger Sicht haben die alliierten Luftangriffe ihren Zweck verfehlt, den Zweiten Weltkrieg entscheidend zu verkürzen. Die Wut der deutschen Zivilbevölkerung richtete sich oft eher gegen die britischen und amerikanischen Bomberflotten als gegen die nationalsozialistischen Machthaber.

NS-Propaganda: Juden als angebliche Hintermänner

Auf abgeworfenen britischen Flugblättern war zu lesen: „Denk bei jeder Bombe dran: Das fing Adolf Hitler an!“ Die NS-Propaganda dagegen nutzte die Angriffe für antijüdische Stimmungsmache. Auf Plakaten der hannoverschen Gauleitung wurde das „Weltjudentum“ als Anstifter der Bombenangriffe genannt.

Ausländische Arbeitssklaven im Bombenkrieg

Erst nach den ersten Großangriffen des Jahres 1941 wurde hektisch mit dem Bau von insgesamt 64 öffentlichen Hoch- und Tiefbunkern begonnen. Einige sind noch heute im Stadtgebiet zu finden. Wer bei Bombenalarm ihren Eingang erreichte, war weitgehend geschützt. Ein schlimmeres Schicksal hatten die Zehntausende von ausländischen Zwangsarbeitern und die Häftlinge der sieben KZ-Lager in Hannover, die den Bombenhagel in ihren Holzbaracken oder in notdürftigen Splittergräben überstehen mussten.Auch Juden waren die Türen der Bunker verschlossen.

Zur Entschärfung von Blindgängern wurden Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge gezwungen – ein buchstäbliches Himmelfahrtskommando.

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